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12.November 2014

20:31 Alter: 3 yrs

"Bio-Zigaretten" Wie viele Zusätze sind in Zigaretten "ohne Zusätze"?

Rauchen ist ungesund - und ein Riesengeschäft. Tabakkonzerne wollen Zigaretten an den Raucher bringen. Marken "ohne Zusatzstoffe" suggerieren "zurück zur Natur".


Das klingt prima und passt genau in unsere Zeit: Rauchen ohne schlechtes Gewissen! Sehr plakativ und mit einem hohen Werbeaufkommen stellen die verschiedenen Tabakkonzerne ihre Produkte heraus, die angeblich "ohne Zusatzstoffe" auskommen.  
Nikotin oder Teer werden allein durch das Abbrennen des Tabaks inhaliert, aber wenn sonst "nichts drin" ist, was irgendwie gesundheitsschädlich klingt wie Glyzerin, ätherische Öle oder Geschmacksstoffe, dann hat das doch irgendwie was von "zurück zur Natur". Schließlich wissen alle Raucher, dass sie ihrer Gesundheit grundsätzlich nichts Gutes tun. "Und so versucht das Gehirn sich selbst zu überlisten, indem man sich ein bisschen belügt und etwas kauft, was ökologisch ist, was gesünder aussieht. Dann tue ich wenigstens da etwas für mich", sagt Dr. Tobias Rüther von der Spezialambulanz für Tabakabhängigkeit über die Ambivalenz der Raucher. Der Indianer steht für Freiheit und Natur.Wegbereiter war sicher Santa Fe Natural Tobacco mit der Hausmarke "Natural American Spirit". Über Jahre hat sich das Label mit dem Pfeife rauchenden Indianer zur Kultmarke entwickelt und stetig an Umsatz zugelegt. Der Eindruck, dass die Zigaretten irgendwie "natürlich" und "gesund" sind, konnte auch nicht durch die Tatsache geschmälert werden, dass die Teer- und Nikotinwerte weit über denen von herkömmlichen Markenzigaretten wie "Marlboro" lagen. Tabak aus kontrolliert biologischem Anbau, keine chemischen Zusatzstoffe und das Image machten daraus eine Art "Bio-Zigarette". Erst 2010 hat der Bundesgerichtshof in letzter Instanz dem Unternehmen verboten, mit dem Begriff "Bio-Tabak" für "American Spirit" in Deutschland zu werben. Wofür Zusatzstoffe in Zigaretten?In allen herkömmlichen Zigaretten ist weit mehr enthalten als nur Tabak. Die Zigarettenfilter werden mit Weichmacher besprüht, hinzu kommen Druckfarben, Bindemittel und Klebstoffe. Feuchthaltemittel (zum Beispiel Glyzerin) verhindern ein schnelles Austrocknen des Tabaks. Geschmacksstoffe wie Kakao, Lakritz oder auch Zucker sind unter anderem dafür zuständig, die Reizung unserer Atemwege zu minimieren, also das Rauchen schlichtweg angenehmer zu machen. In einer handelsüblichen "Aroma-Zigarette" sind - je nach Marke und Tabak - einige hundert verschiedene Aromen gemischt. Für Krebsforscherin Martina Pötschke-Langner vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) wäre eine Zigarette gänzlich ohne Zusatzstoffe schlicht ungenießbar: "Denn der Tabak würde zerbröseln. Ohne Feuchthaltemittel bekommen Sie das Ganze nicht zusammen. Ohne Klebstoffe auch nicht das Papier und den Filter. Ohne Zusätze ist eine Fabrikzigarette gar nicht denkbar."Die zusatzfreie Zigarette gibt es nicht!Dass es keine zusatzfreien Zigaretten gibt, sagt sogar Zigarettenhersteller Philip Morris auf seiner Internetseite und beruft sich dabei auf die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Auf Nachfrage unterstreichen auch die Tabakkonzerne, dass bei ihren Produkten, die mit "ohne Zusätze" oder "frei von Zusätzen" auf der Packung gekennzeichnet sind, nur der Tabak oder die Tabakmischung gemeint ist. Bestenfalls ist lediglich Wasserdampf bei der Verarbeitung des Rohtabaks eingesetzt worden. British American Tobacco: "Ohne Zusätze bedeutet, dass die Tabakmischung keine Feuchthaltemittel sowie Geschmacks- und Aromastoffe enthält." Für Verbraucherschützer eine Irreführung, denn Zusatzstoffe gibt es in der Zigarette trotzdem. Mehr noch, sagt Martina Poetschner-Langer vom DKFZ, es sei eine Werbelüge, denn "es ist häufig so, dass gerade die großen Hersteller, die mit 'ohne Zusätze' werben, ihre Zusätze eben nicht in den Tabak reinschmuggeln, sondern in das Zigarettenpapier oder den Filter. So dass dennoch ein entsprechend weiches Aroma erreicht wird für den Verbraucher." Auch in diesen Fabrikzigaretten werden also Zusätze außerhalb des Tabaks verwendet: Feuchthaltestoffe, Farbstoffe und Weichmacher für Papier und Filter oder Stoffe zur Maskierung des Rauchens. Ziel und Zweck ist es, den Konsum weiter aufrechtzuerhalten - gerade bei den Konsumenten, die gesundheitliche Bedenken zwar ernst nehmen, aber trotzdem weiter rauchen.